Lindenberg entdecken: 7 Geheimtipps unserer Gäste
In acht Jahren als Concierge habe ich eines gelernt: Die besten Orte stehen selten in Reiseführern. Sie werden leise geteilt. Am Frühstückstisch, beim Wandern, abends an der Bar. Unsere Gäste sind die besten Entdecker. Sie kommen aus München, Wien, Zürich — manchmal aus Tokio. Ihre Neugier überrascht mich immer wieder.
Über die Jahre habe ich ihre Funde gesammelt. Manche empfehle ich fast täglich. Andere hüte ich — denn manche Orte verlieren ihren Zauber, wenn zu viele sie kennen. Heute teile ich sieben mit Ihnen. Ein Geschenk der Gäste, die vor Ihnen hier waren.
1. Die Kapelle am Waldsee: Stille, die man hören kann
Zwanzig Minuten östlich von Lindenberg, abseits vom Wanderweg, liegt eine kleine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Sie hat keinen Namen. Die Leute sagen „Waldkapelle" oder einfach „die Kleine". Der Weg führt durch einen Mischwald. Im Herbst leuchtet er so bunt, dass man meint, durch ein Gemälde zu gehen.
Die Kapelle ist offen, still, unbewacht. Auf einer Bank davor können Sie sitzen und nichts tun. Das ist schwerer, als es klingt. Ein Gast aus Hamburg sagte: „Ich habe zum ersten Mal seit Jahren die Stille gehört." Der Weg ist nicht beschildert. Aber ich zeichne Ihnen gerne eine Karte.
2. Die Käsegrotte von Großholzleute
Zwölf Kilometer südlich, in Großholzleute, betreibt Familie Moser seit drei Generationen eine Sennerei. Das Besondere: Der Käse reift in einer Felshöhle. Acht Grad, neunzig Prozent Luftfeuchte. Perfekt für Bergkäse. Nach zwölf Monaten hat er eine Tiefe, die ich nirgends sonst finde.
Besuche nach Absprache. Sie bekommen eine kurze Führung durch die Höhle. Taschenlampe dabei, denn Strom gibt es nicht. Danach kosten Sie drei Reifestufen mit Bauernbrot und Senf. Lukas, der jüngste Sohn, erzählt Geschichten über Käse, die man nicht vergisst. Ich reserviere Ihnen gerne einen Platz.
3. Der Sonnenuntergang vom Nadenberg
Jeder Reiseführer empfiehlt den Pfänder. Ich nicht. Er ist schön, aber voll — vor allem im Sommer. Mein Tipp für den besten Sonnenuntergang: der Nadenberg. Ein sanfter Hügel nördlich von Lindenberg. Kaum höher als ein Haus, aber mit freiem Blick nach Westen.
Gegen sieben Uhr im Sommer, gegen fünf im Herbst: Der Himmel über dem Bodensee färbt sich in Töne, für die Worte fehlen. Orange wird zu Rosa, Rosa zu Violett. Vorne die Obstbäume, hinten die Schweizer Berge. Nehmen Sie eine Decke mit. Und eine Flasche vom Spätburgunder aus unserer Bar. Der Rest ergibt sich.
4. Das Antiquariat in Weiler-Simmerberg
Zehn Minuten entfernt, in einer Gasse von Weiler-Simmerberg, liegt eines der schönsten Antiquariate Süddeutschlands. Konrad Baumgartner, ein pensionierter Professor, hat über vierzig Jahre Bücher gesammelt. Kein Schild, keine Webseite, keine festen Zeiten. Man klingelt. Wenn er da ist, öffnet er.
Drinnen stapeln sich Erstausgaben, Bildbände und Manuskripte. Die Preise sind fair. Die Gespräche unbezahlbar. Herr Baumgartner kennt zu jedem Buch eine Geschichte. Er findet genau das Buch, das Sie nicht wussten, dass Sie es suchen. Einige Bücher in unserer Bibliotheks-Suite stammen von ihm. Fragen Sie mich nach der Adresse.
5. Die Brotzeit am Hochgrat: Alpe Gund
Der Hochgrat ist der höchste Gipfel der Nagelfluhkette. Eine beliebte Wanderung. Was die meisten nicht wissen: Auf halber Strecke liegt die Alpe Gund. Eine kleine Alm, die in keiner App auftaucht.
Sennerin Anna serviert eine Brotzeit, die jedes Restaurant blass macht. Frischer Emmentaler, Speck vom eigenen Schwein, Brot aus dem Holzofen. Die Buttermilch ist so frisch, dass man die Wiese schmeckt. Sechs Plätze auf der Terrasse. An klaren Tagen sehen Sie den Bodensee. Geöffnet von Juni bis September, nur bei gutem Wetter. Den Abzweig zeige ich Ihnen auf der Karte.
6. Die Scheidegger Wasserfälle bei Nacht
Die Scheidegger Wasserfälle kennen viele. Tagsüber ein beliebtes Ziel. Aber kaum einer kennt sie bei Nacht. Bei Vollmond glitzert das Wasser silbern. Der Wald taucht in tiefes Schwarz. Die Fälle werden zu einem Ort, der ans Magische grenzt.
Der Parkplatz ist dunkel. Sie brauchen eine Lampe und gute Schuhe. Kein Spaziergang, sondern ein kleines Abenteuer. Wer es wagt, erlebt etwas, das in keine Instagram-Story passt. Die nächsten Vollmondnächte trage ich gerne in Ihren Plan ein.
7. Der Sonntagsbrunch im Wirtshaus Krone
Das Wirtshaus Krone ist kein Geheimtipp im engeren Sinne. Jeder aus Lindenberg kennt es. Aber Touristen gehen vorbei, weil es aussieht wie ein normales Gasthaus. Was es auch ist. Genau darin liegt sein Charme.
Der Sonntagsbrunch ist eine Institution. Wirtin Marianne Berger deckt ab zehn Uhr einen Tisch, der kein Ende nimmt. Weißwürste, Obatzda, Hefezopf, Rührei mit Schnittlauch, Apfelstrudel. Dazu ein Weißbier vom Fass aus einer kleinen Brauerei in Oberstaufen. Der Preis? So niedrig, dass man sich fragt, wie sie das macht.
Hierhin schicke ich Gäste, die das echte Allgäu suchen. Nicht das aus den Prospekten. Sondern das, in dem die Leute leben, lachen und sonntags viel zu viel essen. Tisch reservieren, vor allem in der Skisaison.
Mehr als sieben: Ihre Entdeckungen
Diese Liste ist nicht vollständig. Sie kann es nicht sein. Das Schöne am Reisen: Jeder findet seine eigenen Orte. Wenn Sie einen Platz entdecken, der hier fehlt, erzählen Sie mir davon. Vielleicht wird er der achte Tipp auf meiner nächsten Liste.
Sie brauchen Hilfe bei der Planung? Ich bin an der Rezeption. Sieben Tage die Woche. Mit fünf Sprachen, einer Wanderkarte und mehr Geschichten, als in einen Aufenthalt passen. Kommen Sie vorbei. Ich freue mich auf Sie.